Die Mutmacherin

Interview mit Ulrike Bergmann

Ulrike Bergmann mit blaugrüner Jacke

Ulrike Bergmann, Die Mutmacherin®

Sie sind seit über 20 Jahren selbständig – was war der Auslöser für diesen Weg?
Vor dem Schritt in die Selbständigkeit war ich 14 Jahre in einem internationalen Unternehmen tätig. Während ich die ersten Jahre meine Fähigkeiten und Interessen einsetzen konnte, blieb nach einem internen Wechsel meine eigene Kreativität zunehmend auf der Strecke. Ich spürte immer stärker, dass es so nicht weiter gehen kann. Doch es dauerte noch bis November 1992, bis ich mein Angestellten-Dasein beendete und den Sprung ins Ungewisse wagte. Ich nahm eine längere Auszeit, die mich in den äußersten Nordwesten der USA, nach Seattle führte. Dort lernte ich viele neue Ansätze kennen, die seither in meine Arbeit als Coach, Beraterin und Autorin eingeflossen sind und die ich ständig weiter entwickle.
Heute arbeite ich vor allem mit Menschen, die „mehr“ vom Leben wollen. Sei es, indem Sie – wie ich selber – in der Lebensmitte noch einmal etwas Neues anfangen wollen. Oder in der Selbständigkeit eine weitere Stufe der persönlichen und beruflichen Entwicklung anstreben. Dafür sind sie bereit, auch neue, ungewöhnliche Ansätze auszuprobieren, denn diese Menschen suchen vor allem eines: ihren eigenen Weg.

„Mit Leichtigkeit zum Ziel“ ist der Titel Ihres neuen Buches. Beschreiben Sie bitte kurz, was Ihr Anliegen mit dem Buch ist.
Zeit meines Lebens suchte ich nach Möglichkeiten, mir das Leben leichter zu machen. Ich wollte mich schon von klein auf einfach nicht übermäßig anstrengen 😉
Seit etwa 30 Jahren befasse ich mich bereits mit Vorgehensweisen, mit denen wir unsere Träume verwirklichen und Ziele leichter erreichen können. Aus den gesammelten Erfahrungen und Erkenntnissen, was wirkt und was nicht, ist 2010 das MutmacherPrinzip entstanden. Seine Elemente kann jeder Mensch anwenden und damit seinen persönlichen Weg erkennen und mutig gehen. Mit welchen Schritten daraus ein eigener Weg entsteht, das ist im Buch mit zahlreichen Beispielen und Aufgaben beschrieben. Trotz des kleinen Formats ist es mit seinen 128 Seiten ein Arbeits- und Begleitbuch für Menschen, die Schritt für Schritt ihrem Leben eine neue Richtung geben wollen.

Warum ist gerade Leichtigkeit der entscheidende Schlüssel für Sie?
Das hängt wohl mit meiner Herkunft aus einem evangelischen Pfarrhaus zusammen. Schon früh stand ich dem protestantischen Arbeitsethos des „Nur wer hart arbeitet, bekommt auch den entsprechenden Lohn“ skeptisch gegenüber. Zwar habe ich selber viele Jahre danach gelebt, doch irgendwann waren die Folgen unübersehbar. Als mir gesundheitliche Probleme Grenzen setzten, habe ich angefangen, die dahinter stehenden Überzeugungen zu hinterfragen. Nach meiner Angestelltenzeit war ich einige Zeit in den USA. Dort bin ich auf die Neugeist-Bewegung (New Thought Movement) gestoßen, die mich sofort angesprochen und überzeugt hat. Darin spielt der Aspekt der Leichtigkeit auch eine Rolle.

Noch ein paar Gedanken zu Leichtigkeit.
Leichtigkeit bedeutet ja nicht, dass „ois easy“ (alles ganz einfach) ist. Oder ich eine Formel biete, eine „Aspirin-Lösung“, wie es eine Teilnehmerin nannte. Vielmehr basiert Leichtigkeit darauf, dass wir uns immer wieder auf das ausrichten, was wir wirklich wollen und es in uns verankern. Um leicht ans Ziel zu gelangen, müssen wir die emotionale Anhaftung an das Ergebnis – nur so und nicht anders will ich es! loslassen und vertrauensvoll losgehen. Dabei unterstützen uns die Impulse unseres inneren Ratgebers, der uns den für uns besten Weg zeigt, auf dem wir im passenden Tempo zum richtigen Zeitpunkt ans Ziel gelangen.

Sie haben das MutmacherPrinzip entwickelt – wie wenden Sie dieses Prinzip in Ihrer selbständigen Tätigkeit an?
Es ist für mich integraler Bestandteil meines Lebens und meiner Arbeit. Ich nutze die einzelnen Elemente, wenn ich meinen Tag oder neue Projekte plane. So habe ich ein Morgenritual entwickelt. Darin verbinde ich mich mit meinem Vorhaben und bitte meinen inneren Ratgeber, mich darin zu unterstützen. Auf seine Impulse vertraue ich und setze sie anschließend um. Das führt zu einem hohen Maß an Leichtigkeit in meinem Handeln und macht mein Leben einfach leichter 🙂

Was ist Ihr Anliegen in Ihrer Arbeit als Mutmacherin und was unterstützt Sie darin?
Mein wichtigstes Anliegen ist, Menschen zu ermutigen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie sie dafür ihren eigenen Weg finden. Ich erlebe bei vielen Menschen, dass sie zwar davon sprechen, „dass sich etwas ändern muss“. Doch nur wenige tun etwas dafür. Sie werten ihre Vorstellungen und Ideen immer wieder ab. Damit schützen sie sich, wenn sie nicht wissen, wie sich diese verwirklichen lassen. Vielen fehlt auch eine Unterstützung und Ermutigung in ihrem Umfeld. Das muss nicht sein! Und daran will ich etwas ändern.
Was mich darin unterstützt, ist zum einen meine Überzeugung, dass jeder Mensch etwas hat, was ihm oder ihr wichtig ist und nur sie zum Leben bringen können. Zum anderen meine langjährigen, vielfältigen Erfahrungen, durch die ich einen großen und gut gefüllten Werkzeugkoffer habe. Ich habe die Fähigkeit, Zukunftsvorstellungen und Szenarien für meine Teilnehmenden zu entwickeln, die ihnen zeigen, wie sie mit dem, was sie bereits in sich tragen, ihre Vorstellungen Wirklichkeit werden lassen.

Unterstützung ist ein wichtiger Faktor für Menschen, um ihre Ziele zu erreichen. Warum ist die passende Begleitung so wichtig? Was kann diese Hilfestellung bewirken?
Die meisten von uns sind in einem Umfeld aufgewachsen, das uns nicht sonderlich ermutigt, eigene Wege zu beschreiten oder „anders“ zu sein. Daher ist es wichtig, dass wir uns die passenden Menschen suchen, die ähnlich ticken wie wir und ebenfalls etwas in ihrem Leben verändern oder ihre Träume verwirklichen wollen.
Wenn die richtigen Menschen zusammenkommen, gehen alle gemeinsam „…zuversichtlich in die Richtung ihrer Vorstellungen und es entstehen Erfolge, die in gewöhnlichen Stunden unvorstellbar sind“ (Henry David Thoreau). Meinen Teil dazu trage ich mit MutmacherGruppen bei, in denen in geschützter Atmosphäre Großes entstehen kann.

Mut hat viel mit Grenzen überwinden und erweitern zu tun. Was war für Sie der mutigste Schritt in Ihrem Leben?
Es gab nicht nur einen mutigen Schritt, sondern immer wieder neue. Ein früher war meine erste Solo-Reise, die mich 1988 im angehenden Winter (Mai / Juni) nach Argentinien geführt hat. Eine Freundin meinte dazu: Wenn du etwas machst, muss es extrem sein! Ich empfand es überhaupt nicht so. Schließlich hatte ich für den „Notfall“ einige Sicherheitsfaktoren eingebaut.
Viele Kollegen betrachteten mein Ausscheiden 1992 aus einer gesicherten Position als Leitende Angestellte bei einem renommierten Unternehmen als geradezu wagemutig. Doch auch hier hatte ich Vorsorge getroffen. Ich wusste, dass es an der Zeit war, neue Wege zu gehen und so bin ich erst mal für drei Monate in die USA gereist. Daraus wurden schließlich – mit Unterbrechungen – 2,5 Jahre, die ich überwiegend in Seattle verbrachte. Eher ungeplant entstand dort die Grundlage für meine heutige Arbeit.
Auch in der Selbständigkeit gab es immer wieder Situationen, in denen ich meine Grenzen ausgetestet, erweitert und Neues ausprobiert habe. Nicht alles ist gelungen und es gab auch schwierige Zeiten. Doch das hat mich nie davon abgehalten, Dinge zu verändern, wenn ich das Gefühl hatte, dass es an der Zeit war. Dann bin ich diesen Impulsen gefolgt, selbst wenn ich noch nicht wusste, wo es hinführt und was daraus entsteht. Dabei halfen mir mein Gottvertrauen und die Überzeugung, dass es das Leben gut mit mir meint und ich immer alles haben werde, was ich zum jeweiligen Zeitpunkt brauche. 🙂

Die Fragen stellte Birgit Bramlage, Buch-Büro. Herzlichen Dank dafür!

Weitere Informationen zur Person finden Sie auf der Webseite der Mutmacherin.